Schweizer Cup: GC Scheitert Am Unterklassigen FC Thun - NZZ

GC erleidet im Berner Oberland den bisher grössten Rückschlag der Saison und scheidet nach dem 0:1 gegen Thun aus dem Schweizer Cup aus

Die Grasshoppers scheitern im Cup-Sechzehntelfinal am unterklassigen FC Thun. Die Thuner revanchieren sich damit für den verlorenen Aufstiegskampf in der vergangenen Saison.

Benedikt Koller, Thun18.09.2021, 23.15 Uhr min
Nicola Sutter (links) erzielt per Kopf den siegbringenden Treffer für den FC Thun.

Nicola Sutter (links) erzielt per Kopf den siegbringenden Treffer für den FC Thun.

Peter Schneider / Keystone

Carlos Bernegger, der Coach des FC Thun, tigert am Spielfeldrand herum. Er verwirft die Hände, treibt sein Team ein letztes Mal an. Noch einen Angriff der Grasshoppers gilt es zu überstehen.

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Als der Schiedsrichter Adrien Jaccottet die Partie dann nach vier erdauerten Minuten Nachspielzeit abpfeift, gibt es für Bernegger kein Halten mehr. Der Coup ist geschafft: Seine Mannschaft hat soeben die Achtelfinals des Schweizer Cups erreicht – dank dem 1:0 im Heimspiel gegen den höherklassigen Grasshopper-Club. Und so stürmt der frühere GC-Coach Bernegger nach dem Schlusspfiff direkt zu den Fans in der Kurve – und lässt sich minutenlang feiern.

GC startet besser

Dabei hatte in der ersten Halbzeit wenig auf einen Sieg der Thuner hingedeutet. Die Grasshoppers erwischten im unterhaltsamen Cup-Fight den besseren Start. Der GC-Coach Giorgio Contini hatte im Vergleich zu den letzten Meisterschaftspartien umgestellt: Gegen den FC Thun schickte er sein Team in einer flachen 4-4-2-Formation auf den Platz, bisher hatte er in der Verteidigung meist auf eine Dreierkette gesetzt. Und auch personell vollzog er Änderungen: Statt Petar Pusic nominierte er Christian Herc zentral, auf dem linken Flügel kehrte Ermir Lenjani in die Startformation zurück und im Sturm Leonardo Campana, der zuletzt fehlte, weil er mit Ecuador in der südamerikanischen WM-Qualifikation spielte.

Die GC-Verteidiger stehen von Beginn an hoch, der Rekordmeister zieht in der ersten Halbzeit ein gepflegtes Kombinationsspiel auf. Die Stürmer Shkelqim Demhasaj und Campana überzeugen mit klugen Laufwegen, woraus sich für GC mehrere gute Torchancen ergeben. Doch der einmal mehr starke Impulsgeber Herc (9.) verzieht, und auch der Schuss von Campana ist zu wenig präzis (14.).

Mit zunehmender Spieldauer findet der FC Thun besser in die Partie. Nach einem Ballverlust von GC im Spielaufbau verpasst es Alexander Gerndt allerdings, den schnell lancierten Gegenstoss zu veredeln (24.). Und unmittelbar vor der Pause scheitern sowohl Pius Dorn als auch Daniel Dos Santos mit Distanzschüssen.

Nach dem Seitenwechsel sind die Berner Oberländer dann kaum wiederzuerkennen. Nun dominieren sie die Duelle im Zentrum, wirken präsenter – und lancieren Angriff um Angriff. Haben die Grasshoppers in der ersten Halbzeit immer wieder schnell das Mittelfeld überbrückt, können sie nun nicht mehr kaschieren, dass ihnen mit Georg Margreitter und Amir Abrashi derzeit zentrale Teamstützen fehlen, die das Spiel zu strukturieren verstehen.

Das nutzen die Thuner am Samstagabend in der zweiten Halbzeit aus. Zum Torerfolg gelangen sie nach mehreren Fehlern in der GC-Defensive: Zunächst foult der Innenverteidiger Toti Gomes seinen Gegenspieler am Spielfeldrand und sieht Gelb. Beim anschliessenden Freistoss von Omer Dzonlagic verliert Noah Loosli dann das Kopfballduell gegen den Routinier Nicola Sutter. Der wuchtet den Ball zum 1:0 ins Netz (59.).

Der GC-Coach Contini reagierte auf den Rückstand mit einem Dreifachwechsel: Hayao Kawabe, Nikola Gjorgjev und Petar Pusic sollten das Offensivspiel ankurbeln. Stattdessen gelangen zunächst die Thuner zu weiteren Gelegenheiten, die Vorentscheidung gelingt ihnen aber nicht. In der 69. Minute schwächt sich GC dann zusätzlich selber. Toti Gomes fliegt nach der zweiten gelben Karte vom Platz.

Die Grasshoppers rennen danach weiter an, doch die Angriffe wirken zunehmend verzweifelt. Ihre einzige aussichtsreiche Torchance in der zweiten Halbzeit vereitelt der Thun-Goalie Andreas Hirzel in der 84. Minute, als er den Kopfball des eingewechselten Francis Momoh mit einem starken Reflex pariert.

Die nächste Enttäuschung

Das frühe Scheitern im Cup ist für GC der bisher grösste Rückschlag in einer bis anhin durchzogenen Saison. Das Team von Contini wusste in der Meisterschaft zwar mit einer guten defensiven Organisation und zügigem Umschaltspiel zu gefallen. Doch es fehlte die Konstanz. Zudem waren die Grasshoppers bisher ineffizient; aus dem Spiel heraus haben sie erst ein Liga-Goal geschossen. So verpasste es der Aufsteiger wiederholt, sich für ansprechende Leistungen mit Punkten zu belohnen. Mit dem Cup-Aus gegen den Underdog aus Thun folgte am Samstagabend nun die nächste Enttäuschung.

Den Thunern aber ist die Revanche für den verlorenen Aufstiegskampf in der letzten Challenge-League-Saison geglückt. Carlos Bernegger kostete den Moment genüsslich aus.

Thun - Grasshoppers 1:0 (0:0). 2663 Zuschauer. – Schiedsrichter: Jaccottet. – Tor: 59. Sutter 1:0. – Grasshoppers: Matic; Bolla (82. Arigoni), Loosli, Gomes, Schmid; Da Silva (60. Gjorgjev), Herc (79. Momoh), Diani, Lenjani (60. Pusic); Demhasaj, Campana (60. Kawabe). – 69. Gelb-rote Karte gegen Gomes (Grasshoppers) wegen Fouls.

Stade Lausanne-Ouchy - FC Sion 4:0 (2:0) – Tore: 13. Chader 1:0. 36. Hadji 2:0. 50. Ajdini 3:0. 89. Bayard 4:0.Buochs - Luzern 1:2 (0:1) n. V. – Tore: 45. Sorgic 0:1. 69. Neziraj 1:1. 94. Ugrinic 1:2.Kriens - FC Zürich 0:1 (0:1) – Tor: 19. Marchesano (Freistoss) 0:1.Neuchâtel Xamax - Lugano 0:1 (0:0) – Tor: 89. Lungoyi (Lavanchy) 0:1.Bulle - Lausanne-Sport 2:3 (2:2, 0:2) n. V. – Tore: 9. Genoud (Eigentor) 0:1. 11. George 0:2. 48. Deschenaux 1:2. 83. Zohouri (Eigentor) 2:2. 94. Amdouni 2:3.Concordia Basel - Servette 1:4 (1:1) – Tore: 10. Schalk 0:1. 19. Alessio 1:1. 47. Rodelin 1:2. 80. Schalk 1:3. 90. Schalk 1:4.

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